Das (richtige) Studium

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Ein Tipp wurde mir gleich am Anfang von verschiedenen Leuten gegeben, die ich kennengelernt habe. Studiere etwas, bevor du dich in die Arbeit stürzt. Warum ein Einstieg über ein Volontariat oder Berufserfahrung nicht reicht, werde ich später genauer erläutern. Und ich werde erklären, welcher Studiengang wann Sinn macht. Danach wird es dir leichter fallen, dich für eine Richtung zu entscheiden.

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Studienberatung

Der Journalismus ist (leider) kein Beruf, für den man eine Ausbildung oder ein Studium absolviert, und dann einen Job hat und fertig. Alle Wege können zum Journalismus führen. Kein Weg führt zum Journalismus. Ich habe in meiner bisherigen Laufbahn unglaublich viele Menschen kennengelernt, die etwas ganz anderes machen wollten und dann durch Zufall im Journalismus gelandet sind. Deshalb ist es wichtig, sich vorher seiner Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Lies dazu bitte vorher hier: „Welche Interessen brauche ich?“.

Grundsätzlich brauchst du kein Studium. Jeder kann sich Journalist_in nennen. Eine Ausbildung oder ein Volontariat können dich natürlich auch zu diesem Beruf bringen. Allerdings sind das eher kleinere Sender und Redaktionen, bei denen du dann eine Jobchance haben wirst. Die Aufstiegsmöglichkeiten sind dabei begrenzt. Genauso wie die Möglichkeit, zu einem großen Sender zu kommen oder die Verdienstmöglichkeiten. Deshalb haben mir alle Kollegen, Berater und Freunde in diesem Bereich empfohlen zu studieren. Das kann ich auch nur weiter geben.

Aktualisierung: Immer mehr große Medienhäuser verzichten mittlerweile auf ein Studium als Voraussetzung. Mir hat mein Studium sehr viel gebracht. Die Sender schauen hingegen mehr auf Interessen und digitale Erfahrung. Informiere dich auf Karriereseiten und Personalern über die Voraussetzungen der Jobausschreibung.

Du kannst viel Lesen und mit unterschiedlichen Leuten über deine Studienwahl sprechen. Aber letztendlich wird dir jeder etwas anderes sagen. Ich kann nur empfehlen zur Studienwahl die Beratung in der Agentur für Arbeit zu nutzen. Hier wird dir nicht nur bei den Studiengängen geholfen, sondern auch dabei, den richtigen Studiengang für dich zu finden. Eine Pro- und Contra-Liste der Studiengänge machen die Entscheidung zum Schluss ziemlich einfach.

Ich war im Sommer nach dem Abitur bei dieser Studienberatung. Achtung: Die Termine sind vor allem direkt nach dem Abi schnell weg. Also am besten nicht zu lange warten. Auch wenn ich davon eigentlich nicht viel gehalten habe, muss ich sagen, dass mir das wirklich weitergeholfen hat. Der Mann dort erklärte mir alle Wege in den Journalismus, vom Studium „Journalismus“, über Journalistenschulen, hin zum eigentlich fachfremden Studium mit der anschließenden Spezialisierung durch ein Volontariat. Er empfahl mir ein fachfremdes Studium mit Praktika während des Studiums und anschließender Spezialisierung durch ein Volontariat. Das war auch mein Favorit von Anfang an.

Einschub: Die Spezialisierung

Ich schreibe die ganze Zeit davon, dass man sich früh mit dem Journalismus beschäftigen soll und sich früh darauf festlegen soll. Und jetzt erzähle ich hier von fachfremden Studiengängen und der Empfehlung, sich eben nicht durch ein Studium festzulegen. Dabei geht es hauptsächlich darum, dass der Arbeitsmarkt im Journalismus hart umkämpft ist. Journalismus, Kommunikationswissenschaft und Publizistik kann man an vielen Universitäten studieren.

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Stell dir vor du studierst mit 200 Leuten an einer Uni Journalismus. Ihr werdet alle gleichzeitig fertig und strömt auf den Arbeitsmarkt. Warum soll sich eine Personalstelle, ein Redaktionsleiter oder ein Chef für euch entscheiden? Es gibt mindestens 199 Leute im selben Alter mit derselben Qualifikation. Hast du jetzt aber schon durch Praktika oder einen Studentenjob in einer Redaktion Arbeitserfahrung, steigert das deine Chancen schon mal. Hast du dann zusätzlich nicht nur Journalismus studiert, sondern dich in einem Teilbereich des Journalismus spezialisiert, bist du für manche Redaktionen sehr attraktiv. Also studierst du Sport für den Sportjournalisten oder Politik für die Nachrichten und die Politikmagazine. Oder du studierst etwas Naturwissenschaftliches für Wissenschaftsjournalisten. (Diese sind übrigens sehr gefragt, also wenn deine Stärken hier liegen, sind deine Chancen hoch.)

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Nachdem klar war, dass ich mich für ein fachfremdes Studium entscheide, stellte sich nun die Frage, welches Studium am meisten Sinn macht und welches mir am meisten zusagt. Ich schwankte zwischen Jura, Politikwissenschaft und Soziologie. Die Studienberatung hat mir empfohlen, für jedes Fach eine Pro- und Contra-Liste zu schreiben. Dort wo die meisten Pro- und die wenigsten Contra-Argumente stehen, ist dein zukünftiges Studienfach. Bei mir wurde es die Politikwissenschaft.

Die Wahl der Universität

Dann kommt das nächste Problem: Die Wahl der richtigen Universität und Universitätsstadt. Diese Wahl liegt ganz bei euch. Habt ihr das Geld und die Unterstützung von zu Hause auszuziehen? Wollt ihr weit weg von zu Hause oder lieber in der Nähe blieben? Seid ihr bereit für die Großstadt oder doch lieber klein anfangen? Was für Möglichkeiten bietet die Stadt außerhalb des Studiums? Habt ihr dort die Möglichkeit, Praktika zu machen, weil sich ein großer Sender in der Stadt befindet? Wichtig ist auch, ob die Uni eine Campusuni oder eine Fakultätenuni ist. Denn bei einer Campusuni hast du alle Räume direkt auf einem Hof. Das bietet kurze Wege, aber du siehst nicht viel von deiner Studentenstadt. Bei einer Fakultätenuni besteht die Gefahr, dass du mehrmals am Tag quer durch die Stadt hetzen musst. Dafür bist du aber auch wirklich Teil des Stadtlebens.

Weil ich im Sommersemester angefangen habe, bin ich letztendlich in einer der wenigen Unis gelandet, die das anbietet, in der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Neue Leute, neue Umgebung und die Eingewöhnung an den Unialltag sind nicht leicht. Bamberg war für mich die richtige Entscheidung. Ich wollte weg, aber trotzdem im Süden Deutschlands bleiben. Ich wollte in die Stadt, aber vom Dorf nicht direkt in eine der größten Städte Deutschlands. Und die Mieten waren wenigstens ansatzweise bezahlbar hier.

Rückschläge während der Studienzeit

Such dir Freunde, knüpfe neue Kontakte! Im Studium lernst du viele interessante Menschen aus dem ganzen Land kennen. Auch andere Meinungen und interessante Diskussionen kommen immer wieder auf. Ich kann dir nur empfehlen: Geh zu den Ersti-Veranstaltungen und schau dir die Hochschulgruppen an. Es ist für jeden etwas dabei und niemand muss ohne Freunde studieren. Das ist nicht mehr wie in der Schule, als du wegen Kleidung oder Meinungen ausgegrenzt wurdest. Vor allem an der Universität gibt es noch nicht einmal so etwas wie einen Klassenverbund. Du kannst dich mit den Leuten beschäftigen, die dich interessieren.

Um besser neue Leute kennen zu lernen und gleich meine Erfahrung im Journalismus zu verbessern, bin ich zum Uniradio gegangen.  Ich war sehr motiviert in meiner Freizeit Radio machen zu können, wo ich doch in meinem Praktikum so viel Spaß hatte. Die ersten Wochen bin ich mit vielen Ideen zur Redaktionssitzung gegangen und nach 3 Stunden sinnlosem Gelaber wieder nach Hause. Ich hatte bisher in strukturierten Redaktionen gearbeitet und kam mit einem Haufen verplanter Studenten nicht zu recht. Außerdem war ich zu unsicher, selbst etwas an dem Vorgehen des Vorstands zu ändern. Nach einer unglaublich langen Zeit habe ich mich in der Sportredaktion eingefunden und nebenher Nachrichten gemacht. Ohne, dass mir jemals jemand erklärt hat, wie ich vertone, habe ich einmal die Woche Nachrichten gesprochen und einmal im Monat in einer Sportsendung. Und niemand hat mir gesagt, wie schlecht ich war. Das war mein Problem in der Hochschulgruppe. Dass ich schlecht war, war kein Problem. Aber, dass mich nie jemand konstruktiv kritisiert hat, hat mir schnell das Gefühl gegeben, hier nicht weiter zu kommen. Als ich zu meinem Praxissemester weggezogen bin, habe ich dann mit dem Uniradio aufgehört. Im Nachhinein habe ich mich oft gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, mich durchzubeißen und weiterhin mit der Chaotengruppe Radio zu machen. Andere haben sich dort besser eingefunden. Aber ich sag mir immer wieder: Es sollte Spaß machen und solange ich kein Geld bekomme, quäl ich mich durch keine schweren Phasen. Das war immer noch nur ein Hobby und sollte außerhalb der Uni Spaß bereiten und das hat es einfach nicht.

Was du aus der Uni mitnehmen solltest

Natürlich besteht die Studienzeit nicht nur aus Freizeit. Du lernst dort viel. Zum Beispiel, wie du wichtige von unwichtigen Informationen unterscheiden kannst. Oder die Welt, Probleme und Herausforderungen systematisch zu betrachten. Und ganz wichtig als angehender Journalist: Du lernst die richtige Recherche, das Zwei-Quellen-Prinzip und das Einordnen der Quelle.

In meinem Politikstudium habe ich vor allem viel über die Welt gelernt, und wie politische Entscheidungen uns alle täglich beeinflussen in dem was wir tun, kaufen und denken. Außerdem habe ich natürlich sehr viel über politische Systeme und Wahlen und Europa und so gelernt. Das ist als Wissensschatz nicht zu vernachlässigen, aber mir sind hauptsächlich die Aha-Momente in Erinnerung geblieben, bei denen ich die Welt ein bisschen mehr verstanden habe. Am Ende des Studiums wird nicht meine Liebe zum wissenschaftlichen Arbeiten bleiben, denn die war nie wirklich vorhanden. Aber es bleibt grundlegendes Wissen, Verständnis über die Welt und richtiges Recherchieren.

Fazit

Mache dir rechtzeitig Gedanken über deinen Studiengang. Welcher spiegelt deine Interessen wider und welcher bringt dich als Mensch weiter. Sei nicht zu verbohrt darauf Journalismus zu studieren um Journalist:in zu werden. Befolge dabei am besten diese Schritte:

  1. Werde dir deiner Interessen klar.
  2. Nutze Studienberatungen und mache Pro- und Contra-Listen.
  3. Mache dir Gedanken über den Standort der Uni. Wo fühlst du dich am wohlsten?
  4. Informiere dich über Hochschulgruppen, konzentriere dich nicht nur aufs Lernen und suche dir neue Freunde.
  5. Nimm so viel Erfahrung wie möglich aus deiner Unizeit mit!

Wie war eure Unizeit? Was habt ihr studiert und wie zufrieden seid ihr damit im Nachhinein. Erzähl mir gern davon in einem Kommentar oder einer Nachricht an mich über das Kontaktformular.

Veröffentlicht von Annika

Ich starte gerade in den Beruf der Journalistin.

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